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Zum Priester geweiht

In Rom gab es damals Kreise, in denen schon die Begeisterung für eine Reform des kirchlichen Lebens spürbar war, und verschiedene andere religiöse Gemeinschaften, die ernst machen wollten mit dem Leben aus dem Glauben. Der Kontakt zu diesen Gruppen sowie die geistliche Begleitung durch Rosa ließen in Philipp langsam die Entscheidung reifen, Priester zu werden. Im Jahre 1550 gelang es seinem Beichtvater schließlich, die letzten Widerstände Philipps aus dem Weg zu räumen. Am 23. Mai 1551 wurde er in der Kirche San Tomaso in Parione zum Priester geweiht.

Persiano Rosa führte den neugeweihten Priester in San Girolamo ein. Hier war Philipps neues Zuhause. Er liebte San Girolamo, so dass erst ein deutliches Wort des Papstes es vermochte, ihn nach 32 Jahren zum Umzug in die Chiesa Nuova zu bewegen.

Das zwanglose Zusammenleben der Priester von San Girolamo, die hinsichtlich Veranlagung und Gaben sehr unterschiedlich waren, entsprach genau dem, was Philipp gesucht hatte. Er konnte frei über seine Zeit verfügen und sich ungehindert dem Dienst an den Menschen widmen. Dennoch verband diese Priester das Leben unter einem Dach. Jeder von ihnen unterstutzte die kirchliche Reformbewegung auf seine Weise.

Philipp begann nun mit dem, was zu einem Charakteristikum seines Dienstes werden sollte: die Bereitschaft, zu jeder Zeit des Tages die Beichte zu hören. Die Beichte wurde für ihn das wichtigste Mittel der persönlichen Bekehrung und der Bildung eines reifen Gewissens. Philipp war jedoch nicht nur für seine Beichtkinder da, sondern für alle, die zu ihm kamen, um seinen Rat und seine geistliche Leitung zu erbitten.

Giovanni Francesco Bordini, einer der ersten Gefährten Philipps, Priester des Oratoriums und später Bischof von Cavaillon, schrieb dazu: “Ihm genügte ein kahles Zimmer. Dort widmete er sich dem Beichthören, mit dein er sein ganzes weiteres Leben verbrachte, so sehr, dass er auch im hohen Alter nicht davon abließ. Und er war so eifrig darin, dass schon morgens vor Tagesanbruch viele, die den Tag über beschäftigt waren, zu ihm kamen, um zu beichten. Wenn er damit fertig war, begab er sich in die Kirche und blieb dort bis zur letzten Messe, die meistens er feierte. Er ging nur weg, wenn es sieh um einen dringenden Notfall oder um einen Dienst am Nächsten handelte, so dass jeder, der ihn aufsuchte, ihn immer in Bereitschaft fand“.

Caesare Baronio hinterließ uns ein ähnliches Zeugnis. Er hatte schon früh zu Philipp gefunden und wurde später sein Nachfolger als Praepositus (Vorsteher) der jungen Kongregation. Außerdem war Baronius Kardinalpräfekt der Vatikanischen Bibliothek und mit seinen “Annalen“ Begründer der Kirchengeschichte. Er schrieb über das wichtigste Mittel, dessen sich Philipp in seinem Apostolat bediente: Er hätte nicht so viele Menschen zu Kindern Gottes gemacht, wenn er sie nicht umfasst hätte mit (...) Wertschätzung und -Zuneigung, und wenn er nicht jeden mit dem Wort Gottes gestärkt und alle dazu angeleitet hätte, vollkommene Menschen zu werden“.

Philipp fiel es sicherlich aufgrund seines extrovertierten Charakters, seines heiteren Wesens und seiner Schlagfertigkeit leicht, den Menschen nahe zu kommen. Das Gespräch, das im Beichtstuhl begann, setzte sich oft beim Gang durch den kleinen Hof fort, der die Kirche von den Wohnungen trennte, und dauerte auch noch in Philipps Zimmer an, in das er so viele aufnahm, wie es der geringe Raum erlaubte.