Start » Mitteilungen

Ansprache von Papst Johannes Paul II. vor der Konföderation des Oratoriums des hl. Philipp Neri

Liebe Oratorianerpriester, liebe Laien!

1. Ich freue mich, jedem von Ihnen ein herzliches Willkommen zu sagen, die sie am Generalkongress der Konföderation des Oratoriums des hl. Philipp Neri teilnehmen. Mit diesem Besuch wollen sie ihre aufrichtige Verbundenheit gegenüber dem Stellvertreter Christi erneuern und das volle Festhalten an seinem Lehramt bekunden - im Geiste ihres Gründers, der die Kirche in ihrem ganzen Sein liebte und ihnen seine uneingeschränkte Treue zum Stuhl Petri als ein Vermächtnis hinterlassen hat.

Indem ich herzlich Pater Antonio Rios Chavez grüße, den Apostolischen Delegaten, richte ich meine herzlichen Wünsche zugleich an jeden Gesandten der einzelnen, hier beim Generalkongress  vertretenen Kongregationen. Ich drücke meine tiefe Dankbarkeit aus für das Gute, das sie tun, und ich bin entzückt über das Wachsen der Oratorien in verschiedenen Teilen der Erde.

2. Auf Veranlassung des Apostolischen Stuhls hin, die einzelnen Kongregationen in einem Band der Liebe und der gegenseitigen Hilfe zu einen, hat es ihre Konföderation beim jüngsten Generalkongress unternommen, die Konstitutionen gemäß den beim Vatikanischen Konzil vorgeschlagenen Leitlinien zu überarbeiten. An der Wende zum dritten christlichen Jahrtausend beabsichtigt ihre Zusammenkunft, von einem primär pastoralen Standpunkt aus die Quellen der geistlichen Bewegung erneut zu besuchen, deren Ursprung beim hl. Philipp Neri liegen - gewissermaßen als treue Antwort auf seine immerwährende Mission: Menschen zu begleiten, um Christus zu begegnen, der Weg, Wahrheit und Leben ist, wahrhaft gegenwärtig in der Kirche und in den "Zeitgenossen" jedes Menschen.

Diese Begegnung, die der hl. Philipp Neri gelebt und propagiert hat auf seinem einzigartigen und engagierten Weg, macht uns zu neuen Menschen im Geheimnis der Gnade und flößt der Seele diese "christliche Freude" ein, die Christus denen "hundertfältig" gibt, welche ihn in ihr Leben aufnehmen. Um zu einer persönlichen Begegnung mit Christus zu ermutigen, gibt es ferner die grundlegende "missionarische Methode" des Oratoriums. Sie besteht darin, das Herz der Männer und Frauen anzusprechen, um sie den göttlichen Meister erfahren zu lassen, der das Leben zu wandeln vermag. Dieses Ziel wird vor allem dadurch erreicht, dass die Schönheit einer solchen Begegnung aufgezeigt wird, die dem Leben seinen ganzen Sinn gibt. Allen "Distanzierten" darf keine theoretische Abhandlung gegeben, sondern muss die Möglichkeit eines wahrhaft erneuerten und somit von Freude erfüllten Lebens aufgezeigt werden.

Dies ist das große Vermächtnis, das sie von ihrem Vater Philipp erhalten haben! Dieser pastorale Weg ist jederzeit gültig, weil er zur unvergänglichen christlichen Erfahrung zählt! Ich hoffe, dass die Rückbesinnung ihres Kongresses auf die Quellen der Spiritualität des hl. Philipp und die Arbeit jeder einzelnen Kongregation ein erneuertes Bewusstsein vom Wert und der Aktualität der missionarischen Methode ihres Gründers einflößen und einen wichtigen Beitrag für den Auftrag zur "Neuevangelisation" leisten.

3. Das Oratorium ist aus dem Glauben und der Begabung des hl. Philipp Neri geboren, der es verstand, die charismatische Dimension und die volle Gemeinschaft mit den Hirten der Kirche in einer harmonischen Synthese zu vereinigen.

Im Rom seiner Zeit ist er außerdem den spirituellen und materiellen Bedürfnissen junger Menschen mit tiefer Weisheit begegnet, indem er einen von Freude erfüllten Glauben so beispielhaft lebte, dass er als "Prophet der christlichen Freude" angesehen wurde. Von Anfang an war das Oratorium ein Charakteristikum ihrer Kongregation und hat von daher seinen Namen bekommen, wie die von Gregor XIII. im Heiligen Jahr 1575 erlassene Bulle "Copiosus in misericordia" in Erinnerung ruft. Erwachsen aus der Teilnahme von Weltpriestern, die die Frühphase des Oratoriums erlebt hatten und zu dessen Unterstützung eingesetzt waren, ist es die Pflicht ihrer Kongregation, die Belange dieser wertvollen Einrichtung im Sinne ursprünglicher Intention, Methode und Stil zeitgemäß fortzusetzen.

Die beim Generalkongress 1994 verabschiedete "Geistliche Reise" ruft in Erinnerung: "Die spezifische Absicht und die Mission der Kongregation des Oratoriums ist das Gebären und Wachsen genuiner christlicher Gemeinschaften, dem Licht und dem Salz der Erde." Diese sind dargestellt in den allerersten Abschnitten ihrer Konstitutionen als eine brüderliche Gemeinschaft der Gläubigen, die es sich, den Spuren des hl. Philipp Neri folgend, zum Ziel gesetzt haben, das zu tun, was er gelehrt und getan hat, und so "ein Herz und eine Seele" werden (Apg 4, 32). Sie sind vom Beispiel ihres Vaters Philipp, den einfachen Gebetstreffen in der Familie und den geistlichen Gesprächen mit Büßern und Freunden. Aus dieser Perspektive heraus sieht das Oratorium seine Identität in der "Praxis, in familiärer Weise über das Wort Gottes zu sprechen, im inneren und äußeren Gebet den Geist der Kontemplation in der Gläubigkeit und in der Liebe göttlicher Dinge zu hegen".

Ich hoffe, dass das Oratorium dieser spirituelle Methode mehr und mehr Attraktivität und Effektivität verleiht, indem es Menschen mit der Freude und der Einfachheit des Herzens dient. So wird es ein konsequentes und prägnantes Zeugnis geben, indem es die Leidenschaft des Anfangs zur Gänze lebt und unseren Zeitgenossen die Erfahrung brüderlichen Lebens vermittelt, welches auf der Annahme und im Leben der übernatürlichen Gemeinschaft in Christus gründet.

"Alle, die etwas anderes als Christus wollen, wissen nicht, was sie wollen. Alle, die nach etwas anderem als Christus streben,wissen nicht, wonach sie streben. Alle, die arbeiten, aber nicht für Christus, wissen nicht, was sie tun." Die Worte ihres heiligen Gründers enthüllen das immer gültige Kriterium für jede Erneuerung christlicher Gemeinschaft, das darin besteht, jeweils zu Christus zurückzukehren: zu seinem Wort, zu seiner Gegenwart, zur rettenden Tat, die er in den Sakramenten der Kirche leistet. Diese Verpflichtung führt die Priester dazu, der Beichte und der geistlichen Begleitung der Gläubigen den Vorrang zu geben, so wie es ihrer Tradition entspricht, ganz ihrem Charisma und den Weisungen der Kirche zu folgen. So werden sie den zu den Weltoratorien gehörenden Laien helfen, den grundlegenden Wert, ein Christgläubiger zu sein, verständlich zu machen - gemäß der Erfahrung des hl. Philipp: Im Blick auf die Laien hat er Ideen und Methoden vorweggenommen, die sich als erfolgreich im Leben der Kirche erwiesen haben.

4. Ihre Kongregationen, von ihrem heiligen Gründer gläubig in die Selbstständigkeit entlassen, sind jeweils verbunden mit den Teilkirchen und den je unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten. Doch die Bedeutung im Leben der Gemeinschaften und ihrer Mitglieder im Bund der Brüderlichkeit mit den anderen Kongregationen, die die Konföderation ausmachen, darf nicht vergessen werden. Durch diesen Bund öffnet sich die spezifische Eigenständigkeit der einzelnen Häuser hin zur aktiven Liebe, und die zusammengeschlossenen Gemeinschaften finden effektive Hilfe, um in der Freude am oratorianischen Charisma zu wachsen.

Geben sie jeder Kongregation die Möglichkeit, sich der speziellen Sorge für die anfängliche und die fortgesetzte Formung der Individuen und der Gemeinschaften zu widmen, um sich dem vom hl. Philipp gesetzten und von den Konstitutionen bekräftigten Ideal anzugleichen - einer wachsenden geistlichen Vitalität und einer effektiven apostolischen Präsenz zuliebe.

Besonders ermahne ich sie, sich von diesen Werten leiten zu lassen, sich insbesondere der Welt der jungen Leute anzunähern, die voll ist von Verheißung trotz aller Schwierigkeiten. Und ich ermahne sie, sich besonders zu denen gesandt zu wissen, die "fern" sind, aber sehr nahe dem Herz unseres Retters. was dies betrifft, finden sie große Unterstützung in der traditionellen Sensibilität von Oratorianern gegenüber der Kunst und der Kultur, die besonders geeignete Wege für eine deutliche, evangeliumsgemäße Präsenz sind.

Möge die Jungfrau Maria, "Mutter und Gründerin des Oratoriums", jeden von ihnen beständig inspirieren, um das Geschenk des Hl. Geistes mit ganzer Gelehrigkeit in Empfang zu nehmen und ihren Brüdern und Schwestern die Freude an Christus zu künden.

In Verbindung mit diesen Wünschen vertraue ich sie der himmlischen Fürsprache des hl. Philipp Neri an und erteile jedem von ihnen und der gesamten Föderation des Oratoriums den speziellen Apostolischen Segen.